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Eine Re-Analyse des Sportentwicklungsberichts 2007/2008 – Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Auf der Grundlage von Erhebungen des Instituts für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Dr. Christoph Breuer) veröffentlicht der Deutsche Olympische Sportbund seit 2006 im zweijährigen Turnus Sportentwicklungsberichte. Diese Berichte stellen eine Weiterentwicklung der früheren Finanz- und Strukturanalysen des deutschen Sports (FISAS) dar. Sie analysieren die Situation der Sportvereine in Deutschlang jeweils zeitnah und haben zum Ziel, die Entscheidungsträger im organisierten Sport zeitnah mit Informationen aus den Bereichen Management, Politik, Dienstleistungen, u. ä. zu versorgen. Mit den Erkenntnissen aus der Analyse haben die Sportverbände einen konkreten Einblick in die aktuelle Situation der Vereine, in ihre Sorgen und Nöte sowie ihre neuen Herausforderungen. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage zur Entwicklung von Zukunftsstrategien der Verbände, zur Ausrichtung der Arbeitsschwerpunkte als Dienstleister für die Vereine, und für die Vereine selbst sind sie eine Richtschnur zur Bestimmung der zukünftigen Vereinspolitik, nicht zuletzt um die Wettbewerbsfähigkeit des organisierten Sports zu stärken. An der bundesweiten Online-Erhebung des Sportberichts 2007/2008 haben sich n=13.068 Sportvereine von N=90.467 Vereinen beteiligt (14,5%). Von den 20.000 Vereinen, die unter Turnen melden, haben sich knapp 4.000 Vereine, d.h. 20%, an der Online-Befragung beteiligt. Die im DTB gemeldeten Vereine haben sich also überdurchschnittlich an der Erhebung beteiligt. Damit sind auch repräsentative Aussagen über die Turnvereine möglich. Für den DTB war es nun von Interesse zu erfahren, ob und inwieweit sich DTB-Vereine von anderen Vereinen unterscheiden und welches besondere Profil sie zeigen, nicht zuletzt um zu erkennen und zu belegen, wo einerseits Stärken der Turnvereine liegen und wo aber auch andererseits noch eine deutlichere Profilierung möglich und angebracht erscheint. Ausgewertet wurden die Antworten der 4.000 Turnvereine und diese mit den Ergebnissen der Gesamtanzahl der Vereine gegenübergestellt. In dieser Gesamtzahl der Vereine sind aber natürlich auch die Antworten der Turnvereine eingeflossen. Insofern kann angenommen werden, dass die realen Unterschiede zwischen den Turnvereinen und allen anderen Sportvereinen, noch größer sind. Aus der Re-Analyse werden nun einige ausgewählte Ergebnisse vorgestellt: Strukturmerkmale der Vereine: Turnvereine sind älter und haben eine lange Tradition! Turnvereine sind im Durchschnitt 75 Jahre alt; die Gesamtheit der Sportvereine knapp 50 Jahre alt. Dies ist natürlich der langen Jahnschen Tradition geschuldet. Turnvereine sind größer! bis 100 Mitglieder haben 7,8% der Turnvereine, 34,4 % die Gesamtzahl der Sportvereine 301 bis 1.000 Mitglieder haben 47,5 % der Turnvereine und 26,4 % die Gesamtzahl der Sportvereine 1.001 bis 2.500 Mitglieder haben 19,7 % der Turnvereine und 7,5 % die Gesamtzahl der Sportvereine Da Turnvereine in der Regel Mehrspartenvereine sind und damit ihr Sportangebot ausdifferenzierter ist, vereinen sie auch mehr Mitglieder unter einem Dach. Turnvereine sind vielseitiger! Turnvereine bieten im Durchschnitt 7,9 verschiedene Sportarten an; die Gesamtzahl der Sportvereine 4,0 Sportarten. Auch hier zeigt sich die Ausdifferenzierung der Turnvereine sehr deutlich. Turnvereine sind in der Regel Mehrspartenvereine. Sie profilieren sich mit Vielfalt und Vielseitigkeit. Turnvereine sind eher breitensportlich orientiert und innovativer! Hier sollten die Vereine die Aussagen zu ihren Vereinszielen bewerten mit einer Skala von 1 = lehne ich ab bis 5 = stimme völlig zu. Die größten Unterschiede zwischen Turnvereinen und der Gesamtzahl der Sportvereine sind in folgenden Zielsetzungen sichtbar: > Ziel „Engagiert sich im Bereich des Gesundheitssports“ Turnvereine bewerten dies mit 4,0, die Gesamtzahl der Vereine mit 3,3. > Ziel „möchte ein möglichst breites Angebot in vielen Sportarten anbieten“; bewerten die Turnvereine mit 3,7, die Gesamtzahl der Vereine mit 2,8. > Ähnlich wird das Ziel „ein Angebot für möglichst viele Bevölkerungsgruppen anzubieten. > Ziel „engagiert sich stark im Bereich der leistungssportlichen Talentförderung“ wird von den Turnvereinen mit 2,95 bewertet und der Gesamtzahl mit 3,1. > Ziel „soll so bleiben wie der (der Verein) immer war“ bewerten die Turnvereine mit 3,0, die Gesamtzahl mit 3,2. Turnvereine sind in ihrer Ausrichtung eher freizeit- und breitensportlich orientiert, möchten eher viele Bevölkerungsgruppen ansprechen und sind Neuem gegenüber mehr aufgeschlossen als die Gesamtzahl der Vereine. Interessant ist in diesem Zusammenhang, der Stellwert der Ziele differenziert nach Vereinsgröße: Bei Vereinen bis 100 Mitglieder rangiert z.B. die Thematik Gesundheitssport bei Turnvereinen auf Platz 13, bei der Gesamtzahl der Vereine auf Platz 17. Bei Vereinen mit 1.001 bis 2.500 Mitgliedern rangiert der Gesundheitssport bei den Turnvereinen schon auf Platz 5, bei der Gesamtzahl der Vereine auf Platz 6. Turnvereine mit mehr als 2.500 Mitglieder belegen den Gesundheitssport mit Platz 1; die Gesamtzahl der Vereine mit Platz 5. Turnvereine sind die „Kinderstube“ des Sports! 88 % der Turnvereine haben Angebote für Kinder bis 6 Jahre in ihrem Programm. 62,5 % der Gesamtzahl der Vereine bedienen die Zielgruppe Kinder bis 6 Jahre. Bereinigt man nun diese 62,5% indem die Turnvereine aus der Gesamtzahl der Vereine herausgerechnet werden, dann ergibt sich ein sehr eindeutiges Profil der Turnvereine als „Kinderstube des Sports“. Bei Angeboten für Kinder/Jugendliche (0 – 18 Jahre) sind die Unterschiede nur noch sehr gering. 97 % der Turnvereine und 92,8 % der Gesamtzahl der Vereine machen Angebote für diese Zielgruppe. Das lässt darauf schließen, dass viele Kinder später dann in andere Sportvereine wechseln. Turnvereine bieten den Senioren überall ein gutes Programm! Wenn es auch hier nur geringe Unterschiede zwischen den Turnvereinen (98,5 %) und der Gesamtzahl der Vereine (93 %), so ist doch beachtenswert, dass fast alle Turnvereine spezielle Seniorenangebote unterbreiten. Festzustellen ist, dass je mehr Mitglieder der Verein hat, desto besser die Versorgung der Zielgruppen Kinder, Jugendliche und Senioren gewährleistet ist. Turnvereine sind Spitzenreiter im gesundheitsorientierten Sport! 70,5 % der Turnvereine halten Angebote zur Gesundheitsförderung und Primärprävention bereit, und nur 28,4 % der Gesamtzahl der Sportvereine haben ausgesprochene gesundheitsorientierte Angebote in ihrem Programm. Diese große Differenz wird durch die Zielsetzung der Vereine bestätigt. An diesen Ergebnissen spiegeln sich die großen Anstrengungen des DTB in den letzten 18 Jahren wieder Gesundheitssport, als eine tragende Säule der Vereinsarbeit aufzubauen. Mit dem Qualitätssiegel Pluspunkt Gesundheit.DTB (seit 1993) und dem Ausbildungsprofil „Fitness und Gesundheit“ (seit 1994) und der 2. Lizenzstufe „Sport in der Prävention“ (ebenso 1994), die der DTB als erster Sportverband flächendeckend umgesetzt hat, wurde die Entwicklung in den Vereinen unterstützt und gefördert. 15,7 % aller Angebote der Turnvereine gehören heute bereits dem Gesundheitssport an. Schaut man sich nun die Gesundheitsversorgung in Verbindung mit der Vereinsgröße an, so ist wieder festzustellen: je mehr Mitglieder ein Verein hat, umso größer ist der Anteil mit Angeboten aus dem Gesundheitsbereich. Turnvereine sind kooperativ! Die Turnvereine haben sich in ihrem lokalen Umfeld gut vernetzt – vor allem, wenn es um die Zielgruppe Kinder und Jugendliche oder um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung geht. > 80 % der Turnvereine (69,9 % Gesamtzahl der Vereine) pflegen Kooperationen mit Schulen > 61,4 % (46,7 %) mit Kindergärten/Kindertagesstätten > 55,9 % (41,7 %) mit Krankenkassen Verbandlicher Unterstützungbedarf der Turnvereine Hier sollten die Vereine die Aussagen zu ihren Problembereichen auf einer Skala von 1 = kleines Problem bis 5 = sehr großes Problem bewerten. Die größten Unterschiede zwischen Turnvereinen und der Gesamtzahl der Sportvereine sind in folgenden Zielsetzungen sichtbar: > „Bindung/Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträger“ ist für alle das gravierendste Problem (Rang 1). Turnvereine bewerten dies mit 3,55; die Gesamtzahl der Vereine mit 3,2. > „Bindung/Gewinnung von Übungsleitern“ wird von den Turnvereinen als Problem an die 2. Stelle gesetzt und mit 3,23 bewertet. Die Gesamtzahl der Vereine setzt diese Problematik auf Rang 3 mit der Bewertung 2,8. > „Bindung/Gewinnung von Mitgliedern“ bewerten die Turnvereine mit 2,42 und die Gesamtzahl der Vereine mit 2,7. > „Zeitliche Verfügbarkeit der Sportstätten“ ist für Turnvereine mit 2,41 ein größeres Problem als für die Gesamtzahl der Vereine mit 2,05. > Entsprechend wird auch der Zustand der genutzten Sportstätten bewertet. > Festzustellen ist, je größer der Verein ist, desto geringere Probleme treten mit der demographischen Entwicklung in der Region auf. Bei Vereinen bis 300 Mitgliedern rangiert die demographische Entwicklung als Problem auf Platz 5, bei den Vereinen mit mehr als 2.500 Mitgliedern auf Platz 12. Aufgrund der Zielgruppen- und Gesundheitssportorientierung der Turnvereine verschieben sich auch die Probleme mit denen sie zu kämpfen haben. Resümee: Insgesamt ist erkennbar, dass die im DTB gemeldeten Vereine mit ihrem besonderen Profil im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen an eine moderne Vereinsentwicklung durchaus gut aufgestellt sind. Anderseits zeigt die Analyse aber auch Defizite und Problemstellungen auf, an denen in Zukunft beherzt weitergearbeitet werden muss. Der DTB und seine Landesturnverbände sehen sich in der Pflicht, genau an dieser Stelle Unterstützungsleistungen zu entwickeln und anzubieten. Der DOSB und die Deutsche Sporthochschule bereiten zurzeit die 3. Befragungswelle für den Sommer dieses Jahres vor. Der DTB wird diese Befragung nutzen und sich mit eigenen Fragestellungen im „Huckepack“-Verfahren dranhängen. Wir werden an dieser Stelle darüber informieren und bitten jetzt schon um Unterstützung. Denn Unterstützungsleistungen sind zielführender, wenn sie passgenau angeboten werden können, sowie nachweislich belegt werden können und nicht nur auf einem „Bauchgefühl“ basieren. |